Tage und Zeichen

„Andere schreiben Tagebuch. Ich male.“

Morgens hängt ein weißes Blatt an der Wand. Abends ist es bemalt. Oder eben auch nicht. Nicht jeder Tag wird ein Bild. Aber jedes Bild war einmal ein Tag.


Die Werkreihe Tage und Zeichen entstand über mehrere Jahre hinweg. Die Arbeiten tragen keine Titel. Sie tragen das Datum ihres Entstehungstages.
Jedes Blatt beginnt als offene Möglichkeit. Ohne Motiv. Ohne Plan. Ohne die Absicht, etwas Bestimmtes darzustellen. Manchmal entsteht daraus eine Arbeit. Manchmal bleibt das Blatt leer. Farbe, Leere, Material und Geste verdichten sich zu einer Spur dessen, was an diesem Tag gegenwärtig war. Nicht als Abbild eines Ereignisses und nicht als Ausdruck einer bestimmten
Emotion. Eher als Atmosphäre. Als etwas, das sich zeigt und zugleich entzieht.
Die Arbeiten erzählen keine Geschichten. Sie geben keine Bedeutungen vor. Dennoch erkennen viele Betrachter in ihnen etwas wieder, das sie aus ihrem eigenen Leben kennen: eine Stimmung, eine Spannung, eine Form von Offenheit oder Gegenwärtigkeit. So entsteht eine Sammlung von Tagen, ohne Tagebuch zu sein. Eine Folge von Spuren, ohne etwas festhalten zu wollen.
Als Fine-Art-Print werden diese Arbeiten teilbar. Nicht als Reproduktion eines Originals. Sondern als Möglichkeit, mit einer bestimmten Atmosphäre zu leben. Ein Blatt tritt in einen neuen Raum ein und setzt dort seine Geschichte fort.
Tage und Zeichen ist keine abgeschlossene Serie. Sie wächst, solange neue Tage kommen. 

Ein Tag. Ein Blatt. Oder eben keines.

Text zur Ausstellung

Gregor Stehles Arbeiten entstehen aus einer Haltung der Reduktion und Aufmerksamkeit. Ihn interessiert der Moment, in dem Gestus, Farbe, Leere und Raum miteinander in Beziehung treten.

Seine Arbeiten verweisen nicht auf etwas. Sie erzählen keine Geschichten. Sie machen erfahrbar, dass etwas da ist und wie es gegenwärtig wird. Farbe, Leere und Material tragen eine intime Präsenz: Betroffenheit, leibliche Gegenwart, Befindlichkeit — und etwas vom Moment ihres Entstehens.

Knicke, Risse, Flecken und Arbeitsspuren werden nicht verborgen. Sie bilden eine Patina des Lebens und Entstehens. Das Material bleibt sichtbar. Die Malerei bleibt Material. Die großen Wandarbeiten sind aus einzelnen Blättern zusammengesetzt, mit Tape verbunden. Papier hat ein Eigenleben. Es nimmt Berührung an, zeigt Falten, Spannungen und Spuren. Das Tape gehört zur Arbeit: als einfache, situative, improvisierte Verbindung. Größe entsteht hier nicht dadurch, dass sie dargestellt wird. Sie entsteht durch das, was offen bleibt: durch Weglassen, Andeuten, Übergänge und Leere. Das Ganze zeigt sich nicht vollständig. Es wird im Sehen ergänzt und bleibt luzide.

Das große Bild entsteht im Dazwischen, im Dazwischen entsteht Präsenz. Präsenz hat keine Form.

Preisliste

Künstlergespräch

Während des Ausstellungszeitraums, biete ich Ihnen gerne ein persönliches Künstlergespräch an. Bitte kontaktieren Sie mich, um einen Termin zu vereinbaren. Tel: 015205188888 email: studio@gregorstehle.net