Welche Erkenntnisse lassen sich nur in der Kunst gewinnen?

Ich verstehe meine Arbeit nicht als Suche nach einem persönlichen Stil oder einer künstlerischen Position. Mich interessiert eine andere Frage: Welche Erkenntnisse lassen sich nur in der Kunst gewinnen? 

Viele Fragen lassen sich philosophisch, wissenschaftlich oder sprachlich beantworten. Dafür braucht es keine Kunst. Kunst beginnt für mich dort, wo Sprache allein nicht mehr ausreicht. Nicht, weil sie versagt, sondern weil sie an eine Grenze stößt.

Ein Werk ist für mich deshalb keine Illustration eines Gedankens und auch kein Statement. Es ist der Ort, an dem sich eine Behauptung bewähren muss. Ob sie trägt, entscheidet nicht der Künstler. Auch nicht eine Theorie. Sie entscheidet sich erst in der Wahrnehmung.

Ich beginne eine Arbeit deshalb nicht mit einer Antwort. Ich beginne mit einer Frage. Während des Arbeitens verändert sich diese Frage immer wieder. Manche Werke scheitern. Andere führen an einen Punkt, den ich vorher nicht kannte. Gerade darin liegt für mich der Erkenntnisgewinn der Kunst. Er entsteht nicht vor dem Werk, sondern im Werk.

Vielleicht unterscheidet sich Kunst darin von der Wissenschaft. Die Wissenschaft versucht, eine Behauptung zu beweisen. Die Kunst kann nichts beweisen. Sie kann nur Bedingungen schaffen, unter denen sich eine Behauptung in der Wahrnehmung bewährt oder eben nicht.

Deshalb verstehe ich jedes Werk als Teil einer fortlaufenden Forschung. Nicht über Kunst, sondern durch Kunst. Das Werk ist nicht das Ergebnis dieser Forschung. Es ist ihr eigentlicher Ort.

Mich interessiert deshalb weniger die Frage, was Kunst ist. Mich interessiert, was sich nur durch sie erkennen lässt.