Das Datum ist der Titel
Ein Titel gehört zur Sprache. Er kann benennen, einen Gedanken eröffnen oder den Blick in eine bestimmte Richtung lenken. Sprache schafft Sinn – doch sie entscheidet auch.
Das Datum entscheidet nicht. Es verweist.
Die Blätter der Serie Tage und Zeichen tragen deshalb ein Datum statt eines Titels. Das Datum sagt nichts über das Bild. Es erinnert daran, dass dieses Blatt an einem bestimmten Tag entstanden ist. Und kein Tag existiert für sich allein.
Während ein Blatt entsteht, ereignet sich gleichzeitig eine Welt. Menschen begegnen einander. Entscheidungen werden getroffen. Licht verändert sich. Etwas beginnt. Etwas endet. Das meiste davon bleibt im Bild unsichtbar und gehört doch zu seiner Entstehung.
Das Datum hält diese Offenheit wach. Es verweigert dem Blatt eine sprachliche Festlegung und lässt es Teil eines größeren Zusammenhangs bleiben. Das Bild wird nicht erklärt. Es bleibt mit einer Welt verbunden, die weit über seine Ränder hinausreicht.
Der Titel spricht über das Bild. Das Datum lässt das Bild sprechen.


