Blätter, Tage, Notizen

In den täglichen Papierarbeiten von Gregor Stehle  entsteht eine eigene Spannung, wie Notizen beiläufig und doch eindeutig. Papier reagiert unmittelbarer als Leinwand: Jede Spur, jede Geste, jedes Strich, Fleck, jede Bewegung werden sichtbar. Dadurch entsteht eine rohe, ehrliche Praktik – nichts lässt sich kaschieren. Papier ist ein sensibler Künstler, der Energie des Moments direkt speichert.

Besonders außergewöhnlich ist, dass Stehle diese Qualität nicht nur in kleinen Formen nutzt, sondern auch in monumentalen Größen. Großformatiges Papier verlangt Mut: Es ist fragil, atmet, bewegt sich, wellt sich, lebt. Gerade dieses „Atmen“ erkennt einen lebenden Resonanzraum, der seine Arbeiten so charakteristisch macht. Die leichte Materialität steht in der Spannung zur monumentalen Wirkung, die Werke schweben schnell im Raum.

ohne Titel, AV-P-Nr.038, 2021

Während Leinwand traditionell Distanz schafft, eröffnet Papier eine unmittelbare körperliche Nähe. Die Bildoberflächen bleiben offen, verletzlich – und gerade dadurch entsteht Tiefe. In Stehles Werk wird Papier zu einem philosophischen Medium: Es zeigt, wie Präzedenz, Geste und Leere zueinanderfinden. Großformatiges Papier ist kein Träger – es ist Ereignis.

  Ohne Titel, AV-P-Nr. 038, 2021

Meist mit Acryl oder Wasserfarbe werden die Farben schnell und präzise aufgetragen. Es entstehen atmosphärische Ereignisse: Raum wird geschaffen, Beziehung entsteht, etwas Lebendiges entfaltet sich.

Die Blätter sind für Sammler, die Präzision, Stille und Struktur schätzen. Jede Arbeit ist auf hochwertigem Papier realisiert, signiert und archiviert.

Jedes Werk trägt die unverwechselbare Handschrift eines Materials, das in dieser Größe nur wenige zeitgenössische Künstler so kompromisslos einsetzen. Es handelt sich um eine Erklärung der Reduktion, der Klarheit und der radikalen Unmittelbarkeit.